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"Den Tod kann man nicht erleben" Dieser Satz Ludwig Wittgensteins markiert meinen Einstieg in die Philosophie. Genauer ist es der Umstand, dass sich beim Lesen dieses Satzes in mir ein unmittelbarer Widerspruch erhob: Ich habe den Tod erlebt. Er ist mir ständiger Begleiter und ich erfahre ihn obendrein als die Quelle dessen, was ich als "mein Leben" bezeichne. Angestoßen durch solche Überlegungen begann ich zahlreiche "Forschungen", Auseinandersetzungen mit westlichen wie östlichen Philosophien und Weltanschauungen, Kennenlernen derjenigen gesellschaftlichen Institutionen, die mit dem Tod beschäftigt sind, Erfahrungen auch des Todes nahestehender Menschen, nicht zuletzt auch Auseinandersetzungen mit dem, was ich als mein "Selbst" bezeichne; irgendwann bekam dieses Projekt den Namen todeszeichen.

Vor allen Dingen ging es auch immer wieder um Auseinandersetzungen mit mir als Autisten und - damit verbunden - jenen Erfahrungen, die ich als Erfahrungen des Todes erlebe: Das Eingeschlossensein in einer vollkommen(en) hermetischen Welt, ohne Gefühle, ohne Wärme, ohne Nähe, ohne jegliches Zeichen von Leben. Das ist eine Welt, in der ich wohl die ersten zehn bis zwölf Jahre meines Lebens verbracht habe; ich nenne sie auch "Das Eis", denn sie ist kalt, scharf, klar, sie ist zeitlos; sie ist ein einziges Berechnen. Es würde mich nicht wundern, wenn irgendwann herauskäme, dass Computer ihre Welt so erfahren wie ich meine als Kind erfahren habe. Zugleich ist die abgeschlossene autistische Welt meiner Kindheit meine Heimat, der Ort, an dem ich mich wiederfinden und ganz bei mir sein kann. Eine Heimat allerdings, die ich im Alter von zehn bis zwölf Jahren verlassen habe, um Kontakt mit der Welt der Menschen aufzunehmen.

Seither lebe ich zwischen den Welten, halb in meiner autistischen Heimat, halb in der Welt der Menschen, in der ich immer fremd bleiben und für die ich immer ein "Alien" sein werde. In zwei so grundlegend verschiedenen Welten zu leben, ist eine echte Herausforderung zugleich aber auch eine enorme Bereicherung.