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todeszeichen e.V.
Virchowstr. 33
22767 Hamburg

Sterben und Tod gelten heutzutage nicht als attraktive Themen. Auseinandersetzungen oder Begegnungen mit Sterbenden oder Toten erscheinen häufig unangenehm oder unheimlich und finden meistens nicht freiwillig statt. Dabei sind gerade lebendige Erfahrungen mit der Endlichkeit des Lebens als unumstößliches Wissen grundlegende Voraussetzungen dafür, das eigene Leben als Wachstums- und Entfaltungsprozess zu leben und damit selbst in die Hand zu nehmen. Das Bewusstsein, Gast zu sein in diesem Leben und eine Erkenntnis des Daseins als Fremdsein sind zweifellos elementare Schritte für eine Befreiung aus den Zwängen diffuser Ängste. Tod ist in dieser Gesellschaft meist nur noch als etwas sehr Abstraktes zugänglich, die Erfahrungen damit sind tot. Es wird gelebt, als wären Sterben und Tod nicht Teil des Lebens, als wäre Leben nicht endlich und die Erfahrung der Endlichkeit nicht eine grundlegende Qualität des Lebens.

Der Wahn von der Unendlichkeit des "eigenen" ich entspricht dem Machbarkeitswahn moderner industrieller Gesellschaften und entfremdet Menschen von dem, was sie leben und erleben. Der Tod wird so zu einem Gespenst, das Leben ebenso: unwirklich und fremd. Das Ziel von todeszeichen ist, das Schweigen über die Ereignisse des Sterbens und des Todes zu brechen. Ebenso wie Sterbende sind auch Tote in dieser Gesellschaft wesentlich aus dem Kanon üblicher Lebenserfahrungen gebannt, obwohl die Zeit zwischen Tod und Bestattung eines Menschen sollte eine Zeit intensivster Erfahrung mit dem Toten und dem Tod sein sollte. Das sinnliche Gewahrwerden des Totseins eines Menschen, die letzten Dienste, wie Waschung, gemeinsame Feier und Bestattung sind Lebensqualitäten die weder dem oder der Gestorbenen noch den Hinterbliebenen vorenthalten bleiben sollten. Es ist ein zentrales Anliegen von todeszeichen, mit Sterbenden und Toten Umgangsformen zu finden, die von einer Integration des Sterbens und des Todes die Welt der Lebenden geprägt sind.

Die Schwierigkeit, glaubwürdige Traditionen oder Erkenntnissysteme vorfinden, die tatsächlich zum Verständnis dieser Ereignisse führen, ist für den Umgang mit dem Sterben und Tod eines nahestehenden Menschen, wie auch im Umgang mit dem eigenen Sterben und Tod eine schwer zu umgehende Hürde. Das Thema Tod wird mit Schweigen belegt oder in Bilder und Begriffe gekleidet, die nicht mehr verständlich sind und daher auch nichts mehr bedeuten. Da genau liegt der Ansatz der Arbeit von todeszeichen: in der Erkenntnis der Notwendigkeit, Wissen und Verständnis zu erlangen, zum einen, und in der Überzeugung, dass dieses Wissen nur in der konkreten Erfahrung und Auseinandersetzung mit Sterbenden und Toten entstehen und sich entfalten kann. Konkrete, vorbehaltlose und bewusste Erfahrungen und Auseinandersetzungen mit dem Sterben und dem Tod von Menschen soll die Grundlage sein für dieses Wissen, und umgekehrt soll dieses Wissen Möglichkeiten für einen vorbehaltlosen und bewussten Umgang mit dem Thema Tod und damit auch mit dem eigenen Leben erschließen.

Allein die Institutionalisierung der Zeit zwischen Tod und Bestattung von Menschen lässt wenig Platz, Tote tatsächlich zu erfahren. Aus diesem Grunde ist es für todeszeichen ein wesentliches Ziel, Menschen, die genau diese Zeit so weit wie möglich selbstbestimmt gestalten wollen, dabei zu beraten und zu unterstützen. Die Tätigkeiten von todeszeichen werden sich daher auf zwei Schwerpunkte konzentrieren, die sich gegenseitig abstützen und durchdringen sollen: zum einen eine Forschung, die, an Erfahrungen gekoppelt, Grundlagen zum Erlangen und Vermitteln von Erkenntnissen zu den Themen Tod und Sterben erarbeiten soll; zum anderen eine im Wesentlichen professionelle Unterstützung für Menschen, die sich solchen Auseinandersetzungen stellen wollen. Insbesondere ist dabei an Menschen gedacht, die im Umgang mit Sterbenden und Toten den Rahmen der durch Tabuisierungen geprägten gesellschaftlichen Standards verlassen wollen und auf der Suche nach anderen, ihnen entsprechenden Formen sind.